Heute brachte der freundliche Paketbote den Lensbaby Composer, den ich letzte Woche bestellt hatte. Ich habe das gute Stück direkt auf die Kamera gesetzt, und bin (so langsam wird das zu einem Ritual) damit zum Melaten Friedhof gegangen um dort ein paar Testshots zu machen.
Da mich manche schon auf Twitter um einen Erfahrungsbericht gebeten haben, will ich mich nicht lumpen lassen.
Was ist ein Lensbaby?
“Ein mit einem Lensbaby aufgenommenes Bild ist nur in einem bestimmten Bereich scharf, rundherum nimmt die Schärfe bis in den Randbereich immer weiter ab. Der Schärfebereich kann durch Verbiegen des Lensbabys in gewissen Grenzen frei gewählt werden. Weiterhin kann ein Lensbaby durch Kippen und Verschieben der Linse in Bezug auf die Aufnahmeebene ähnlich wie ein Tilt-und-Shift-Objektiv verwendet werden.”
Quelle: Wikipedia
Es gibt inzwischen einige Produkte aus der Reihe, ich habe mich für den Composer entschieden. Der Composer wird mit einem Lochblenden-Set geliefert, die man von Hand bzw. mit dem kleinen magnetischen Helfer selbst einsetzen muss. Je nach Wahl der Lochblende verändert sich die Größe des scharfen Bereiches im Foto.
Lensbaby: alles manuell
An meiner D90 von Nikon muss ich alles manuell einstellen. Damit meine ich nicht den Fokus (den muss man sowieso manuell einstellen) sondern auch die Belichtungszeit. Die Blendenöffnung wird wie oben schon geschrieben durch das Einlegen der Lochblende bestimmt. Die Kamera hat im Prinzip keine Ahnung was im Objektiv vor sich geht und kann deshalb nur im Modus “Manuell” genutzt werden.
Handling des Composers
Es ist mir bei den ersten Shots nicht leicht gefallen, den Composer so zu biegen, dass er das macht, was ich erwartet habe. Hinzu kommt, dass ja auch manuell Fokussiert werden muss, und nicht zuletzt muss man sich Gedanken um die Belichtungszeit machen. Was mich in den ersten Minuten irritiert hat, empfand ich später als sehr lehrreich. Spontane Schnappschüsse kann man im Prinzip vergessen, man muss sich viel mehr als sonst mit dem Motiv und den Kameraeinstellungen befassen. Das Histogramm ist unabdingbar, um eine Ahnung davon zu bekommen, ob man mit seinen Einstellungen richtig liegt.
Man darf bei dem Lensbaby natürlich nicht vergessen, dass Unschärfe hier absolut gewollt ist. Durch die Verzerrungen ergeben sich tolle Bildeffekte, die schnell etwas mystisches haben. Somit war ich mit dem guten Stück wohl genau am richtigen Platz unterwegs.
Ein Spielzeug?
Ich habe mich schon hin und wieder gefragt, ob das Lensbaby nur ein Spielzeug ist, oder ob man es ernsthaft benutzen kann. Kann man. Wenn man sich darauf einlässt, dass mit diesem Teil hier nichts Perfektes entsteht, dafür aber sehr kreative und für das menschliche Auge eher ungewöhnliche Motive.
Fazit
Für ein Fazit ist es natürlich noch viel zu früh und nach 60 Minuten kann man nicht viel sagen. Mir hat es Spaß gemacht und ich freue mich schon darauf, den Composer für andere Motive einzusetzen. Mit der Zeit werde ich sicher auch ein besseres Gefühl dafür bekommen.
Falls ihr noch Fragen habt, ab damit in die Kommentare. Ich werde sie dann zusammenfassen und versuchen, sie in einem zusätzlichen Beitrag zu beantworten.












26 Kommentare
Am 19. Mai 2009 um 15:38 Uhr
Woww.. Geile Bilder.. Das mit dem Kreuz gefällt mir am besten…
Am 19. Mai 2009 um 15:40 Uhr
Das Teil macht so ein Spaß. Da wird man nimmer müde, verrückte Sachen zu machen. Irgendwann kauf ich mir auch eins - Ausleihen ist immer blöd, aber zumindest werde ich dann nicht immer abgelenkt
Am 19. Mai 2009 um 15:40 Uhr
Man kann echt tolle Effekte damit erziehlen, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass man soetwas auch im Nachhinein mit Photoshop hinbekommt. Das Teil birgt meiner Meinung nach die gleiche Gefahr, wie wenn man einen Schwarzweiß- bzw. Sephia-Filter direkt auf der Kamera auf die Bilder anwendet. Das Bild ist eben unwiederbringlich “verzerrt”.
Am 19. Mai 2009 um 15:45 Uhr
Goil. Die sehen so bewegt aus. Obwohl die ja still sind. Also, öh…diese bewegten still-Bilder finde ich toll.
Besonders die Gräber.
Usselgruselig; einfach schön.
Am 19. Mai 2009 um 16:08 Uhr
Der Effekt von Jesus am Kreuz ist natürlich grandios, episch!
Was für eine Brennweite hat das Objektiv denn. (oder kann man das garnicht so angeben?) über welche Blendenöffnungen verfügt ist und wie teuer war es? Ich kann mir da auch sehr gut Motive mit Menschen vorstellen (vielleicht hattest du gerade einfach nur keine zur Hand ;)? )
Sehr fein.
Lieben Gruß
Am 19. Mai 2009 um 16:10 Uhr
oh sorry! da war ja nen amazon link.
Am 19. Mai 2009 um 16:20 Uhr
ich muß auch mal kurz nachfragen - kann ich den ganzen effekt nicht recht schnell und schmerzlos in photoshop mit weicher auswahlkante und radialem weichzeichner (zoom) erzielen?
Am 19. Mai 2009 um 16:21 Uhr
Interessante Bilder, die dadurch entstehen! Auch wenn ich finde, dass mich teilweise die Unschärfe nervt. Da fehlt mir irgendwie ein klares Motiv, das scharf dargestellt wird.
Rose, Fahrrad und die drei Menschen finde ich aber sehr gelungen!
Am 19. Mai 2009 um 16:33 Uhr
@Dirk Das geht sicher auch, aber es wäre so, als würde man einen Ramones Song nach Noten spielen. Da fehlt der Soul. Bestimmt.
Am 19. Mai 2009 um 16:59 Uhr
Schön schön schön. Sieht echt toll aus. Aber ein Frage hätte ich doch: Die Ränder der Bilder sind oft so dunkel. Hast du das nachträglich hinzugefügt, oder macht das auch das Lensbaby?
Am 19. Mai 2009 um 17:00 Uhr
Die Vignetierung ist nachträglich hinzugefügt.
Am 19. Mai 2009 um 17:14 Uhr
Ahhh Vignetierung. Das Wort hatte ich gesucht^^ Dankeschön!
Übrigens schöne Seite, vom Content sogar besser als StyleSpion, wie ich finde.
Am 19. Mai 2009 um 20:51 Uhr
Vielen Dank für den Artikel… So schnell hätte ich damit gar nicht gerechnet! Deine ersten Versuche gefallen mir!
Ich hatte mich schon lange gefragt, wie genau das mit der Belichtungsmessung und dem Lensbaby bei Nikon geregelt ist. Hatte dazu im Netz bisher nur so diffuse Infos gefunden. Wenn das wirklich nur mit manueller Einstellung geht, weiß ich jetzt endlich worauf ich mich einlasse… Kann man denn zumindest die Belichtungskontrollanzeige (heißt die so?) im Sucher nutzen? Also diese kleine Skala, die rechts neben der Zeit-Blenden-Kombination im Sucher angezeigt wird?
@Dirk/Martin: Sicher kann man solche Effekte (in Grenzen) auch mit Photoshop nachbauen. Bei den Lensbabies geht’s aber meiner Meinung nach mehr darum, das Postproduktions-Element in der Digitalfotografie bewusst abzuschalten und sich so -gezwungenermaßen- wieder mehr mit der Aufnahmetechnik zu beschäftigen. Wie Kai so passend geschrieben hat:
“Was mich in den ersten Minuten irritiert hat, empfand ich später als sehr lehrreich. Spontane Schnappschüsse kann man im Prinzip vergessen, man muss sich viel mehr als sonst mit dem Motiv und den Kameraeinstellungen befassen.”
Das führt dann auch dazu, dass man bei einem gelungenen Bild weiß, dass man das genau so aufgenommen hat… und nicht erst ein verunglücktes Bild im Nachhinein mit Photoshop zu einem brauchbaren Ergebnis “gebastelt” hat.
Und dann macht das ganze außerdem auch noch Spaß…
Am 20. Mai 2009 um 09:40 Uhr
Oh bin ich neidisch - für meine Kamera gibt es nämlich afaik keinen passenden Composer. Die Bilder sind klasse, und ich finde diesen Effekt einfach genial!
Danke für deinen Bericht, habe ihn voller Neugierde gelesen, und wenn ich mal im Lotto gewinne, kauf ich mir nen besseren Body und gleich so ein Objektiv dazu!
Am 20. Mai 2009 um 15:58 Uhr
Ich habe mir vor 3 oder 4 Jahren mal ein Lensbaby gekauft und ein wenig damit herumgespielt. Der Look ist toll, aber das manuelle Gefummele (damals Nikon D70s) ging mir tierisch auf den Keks. Habe das Baby irgendwann bei eBay wieder vertickert. War nix für mich.
Am 21. Mai 2009 um 01:09 Uhr
Bei manchen Deiner Bilder hatte ich fast den Eindruck, sie würden sich bewegen. Diesen Look der Bilder, die mit einem Lens- Baby gemacht wurden, ähnen sehr der “Tilt- Shift- Bilder”. Was ich mich so im Allgemeinen frage: Ist es nur eine Spielerei, die anfangs vielleicht auch Spaß macht, dann aber nach lässt oder ist das Lens- Baby auch was für den alltäglichen Gebrauch? Ich glaube ja eher nicht…
Liebe Grüße und viel Spaß mit Deinem Lens- Baby!
Julia
Am 22. Mai 2009 um 11:27 Uhr
na toll, wollte eigentlich die tage mein lensbaby bei ebay verkaufen. wenn ich mir jetzt so deine tollen bilder anschaue, bin ich am überlegen diesem teil doch noch eine chance zu geben. wie ralf schon schrieb, nervt zwar das manuelle gefummel, andererseits macht ja gerade wieder dieses gefummel und das auseinandersetzen mit dem motiv den reiz aus. ach man, ich glaube ich lass das teil mal noch hier liegen. mal sehen was sich so ergibt…
Am 22. Mai 2009 um 18:02 Uhr
@andy: Melde Dich doch einfach bei mir, wenn Du Dein Lensbaby doch noch loswerden möchtest…
Am 22. Mai 2009 um 23:12 Uhr
Wenn ich schon über “mit Bilder Geschichten erzählen” schreibe, dann denke ich hier an die Fotografie von Features. Details oder eben einzelnen Pointen. Das Lensbaby erlaubt einen unausweichlichen Fokus auf ein Detail, auf die Essenz eines Aspekts. Deine “Test”-Bilder sind spannend, vor allem jenes mit Herrn INRI, sehr passende Komposition.
Ich selbst verwende für ähnliche Effekte lieber das TS-E, das Bild wirkt ruhiger, die Unschärfe “sauber”.
Am 23. Mai 2009 um 12:47 Uhr
Super Vorstellung vom Composer - ist auch definitiv was für mich, weil er aus der Reihe tanzt. Bin gespannt, wie sich dat Janze auf Landschaftsfotos auswirkt, im 1×1 Format stell ich mir dat janz schön sexy vor. Hau rein.
Am 24. Mai 2009 um 15:56 Uhr
Toller Artikel, danke!
Ich fotografiere jetzt schon seit drei oder vier Jahren mit einem Lensbaby 3G (also noch vor dem Verkauf der Firma) und es ist bis heute eines meiner absoluten Lieblingsobjektive.
Vielleicht hängt das mit meiner Schwäche für Lomographie zusammen, wenn ich der Meinung bin, dass bewusst eingesetzte Abbildungsfehler und Verzerrunugen einem Bild viel Stärke verleihen können.
Für die Belichtungsmessung kann ich einen allgemeinen Tipp geben: Markiert euch die Maßzahl der Lochblenden mit einem Stift auf den Scheiben selbst und stellt eure Kamera auf Zeitautomatik. Wenn ihr dann die Blende passend zum Plättchen einstellt, sucht sich die Kamera die Belichtungszeit selbst.
Für mich ist das Lensbaby der Inbegriff der intuitiven Bildgestaltung: Es ist am Anfang zwar sehr schwer, Bilder richtig scharf zu bekommen, vor allem wenn man eine weit geöffnete oder gar keine Lochblende drinnen hat, aber das ist nur Übungssache. Sobald man das einmal im Gefühl hat ist das Lensbaby, auch wegen seiner Lichtstärke (Offenblene von 2,0), sogar ein sehr gutes Schnappschussobjektiv.
Gleichzeitig kann man auch knackig scharfe Bilder mit dem Lensbaby schießen, aber zugegeben: Das dauert dann. Ich weiß auch nicht, wie das bei den neuen Modellen, wie dem Composer, gelöst ist, aber mein Lensbaby 3G hat drei Schraubspiralen, mit denen sich die Position fixieren und danach fein justieren lässt, sowie einen Drehring für die ganze grobe Fokussierung.
grooce,
Tobi
PS: Nein, der Effekt nutzt sich nicht so schnell ab, wie man denkt, vor allem, weil man ja nicht verzerren musss. Man kann genauso großteils normale Bilder schießen, die zwar nicht verzerrt, aber durch das ungewöhnliche Unschärfeverhalten des Lensbabys auch sehr interessant werden.
Ich bin mittlerweile so weit, dass gerade mit komplett unscharfen Farbimpressionen durchs Lensbaby experimentiere^^
Am 20. Juni 2009 um 12:29 Uhr
Ich finde auch das das hier vor allem Bewegung im Bild “vorgetäuscht” werden soll wo keine ist. Bei der Statue ist zwar mal gar nix scharf, aber kommt ganz gut das Bild (unwirklich, wie im Traum). Rose, Bank und Bäume gefällt mir nicht bzw ich finde da den Effekt fehl am Platz (wenn du die Rose farbig hast lass mal nur den Kopf rot und den Rest SW). Fahrrad …hmmm…haut mich nicht um. Friedhof wäre noch mehr vll sogar besser gewesen und hätte dann eher einen beängstigenden gehetzten Eindruck gemacht. Und beim Macro hätte ich gern mal den Vergleich zum einem normalen freigestellten. Ist aber nicht 100%ig scharf die Blüte, oder? Gefällt mir aber gut. Schöne Farben.
Es muss meiner Meinung nach entweder ein spezielles Motiv sein wie Statue oder die Krähe in das man Bewegungsunschärfe hineinbringen kann oder im Bild muss sich etwas Bewegen was man hervorheben möchte (Foto mit den 3 Männern). Wobei es hier möglich ist nur am Rand Unschärfe zu erzeugen. Mit einem Zoom geht sowas wie der Jesus am Kreuz auch aber dann nur gleichmäßig rundherum.
Genug gemeckert
jedenfalls viel Spass damit. Ich glaub aber ich würde es nicht zu oft einsetzen weil ich mich zu schnell sattsehen würde. Fisheye ist auf Dauer auch nervig wie ich finde. So als Gimmick ab und an bei einem guten ausgesuchten Motiv macht das auf jeden Fall was her und auch Laune.
Am 4. August 2009 um 18:55 Uhr
Der Tipp, die Blende in der Zeitautomatik einzustellen ist gut, nur: Meine D90 zeigt mir als Wert immer nur ein blinkendes “F–” an und ich kann mit keinem der Einstellräder den eingelegten Blendenwert einstellen. Im M-Modus habe ich leider auch keine Einstell-Skala im Sucher oder sonstwo. Also kann ich die Belichtungszeit immer nur schätzen und per Ausprobieren hoffen, eine gescheite Belichtung zu kriegen. Hat da jemand eine Hilfe für mich, oder muss ich mit externem Belichtungsmesser arbeiten (, den ich erst kaufen müsste)?
Am 26. November 2009 um 18:02 Uhr
Ist wirklich nen feines Spielzeug so nen Lensbaby, aber macht man nicht enorme qualitative Abstriche mit so nem Teil?
Ich meine sind ja relativ günstig und mit einem Tilt-Shift nicht zu vergleichen.
Gruß
Martin
Am 6. Januar 2010 um 12:17 Uhr
Tolle Bilder! Respekt.
Experimentiere auch damit:-)
Viele Grüsse!
Luiza
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